9         Schlusswort

Bei der Weiterentwicklung zum Gehirn der Primaten bzw. zum menschlichen Gehirn werden bestimmte Entwicklungsphänomene weiter fortgesetzt. So beobachtet man in der Wirbeltierreihe eine zunehmende Trennung der Modalitäten, die zunächst im Urhirn, später aber auch im Rückenmark auftritt. Beim Menschen ist diese so weit fortgeschritten, dass im Rückenmark separate Axonbündel wahrnehmbar sind. Jeder Neurologiestudent hat Mühe, diese vielen Axonbündel, die eigenständige lateinische Namen tragen, zu erlernen. In die Namensgebung fließen meist die Ursprungsorte und die Zielorte ein, ebenso bei den vielen Axonverbindungen zwischen den einzelnen Substrukturen des Gehirns.

 

Weiterhin beobachtet man in der Wirbeltierreihe eine Zunahme der Signaldivergenz im Cerebellum und im Cortex, verbunden mit der Größenzunahme aller daran beteiligten Substrukturen. Gekoppelt ist dies mit einer immer differenzierteren Wahrnehmung der äußeren und inneren Umwelt.

 

Beim Menschen kommt eine starke Vergrößerung des Pontocerebellums hinzu, die, wie hier hergeleitet wurde, mit einer ebenso starken Zunahme der Lernfähigkeit verbunden ist. Jede neu hinzukommende Purkinjegruppe kann ein weiteres Komplexsignal erlernen. Die in den Cortex projizierenden Neuronen des Pontocerebellums können dort allerdings keine Körperabbilder erzeugen, denn diese Axone transportieren Komplexsignale. Daher gibt es Körperabbilder nur in den primären und sekundären Cortexgebieten. Die tertiären Cortexregionen repräsentieren Signallandkarten, die bei jedem Menschen anders beschaffen sein werden und davon abhängen, welche Komplexsignale (Begriffe) in welcher Reihenfolge erlernt worden sind. Dies wird von Mensch zu Mensch und von Region zu Region anders verlaufen sein.

 

Die Frage nach der Entstehung von Intelligenz und Denken stand in dieser Monografie auch nicht im Vordergrund. Hier sollte lediglich gezeigt werden, welche Algorithmen dem Wirbeltiergehirn zur Verfügung stehen und wie sie sich im Verlauf der Evolution herausgebildet haben. Möge die weitere Forschung durch diese Monografie befördert werden.



Monografie von Dr. rer. nat. Andreas Heinrich Malczan